Industrienachrichten

Handelskrieg führt zur Neubewertung bei Rohstoffen

Zweifel an Entspannung

Die Rohstoffmärkte litten unter dem Rückschlag in den Gesprächen über eine Handelsvereinbarung zwischen den USA und China. Die USA haben die Zölle auf chinesische Importe um 200 Milliarden US Dollar erhöht, und China hat sich revanchiert, indem es die Einfuhrzölle auf US-Importe um 60 Milliarden US Dollar hochschraubte. Es scheint eine Kluft zwischen den Erwartungen auf beiden Seiten zu bestehen, die es sehr schwierig machen wird, ein Handelsabkommen schnell zu unterzeichnen.

Die USA beschuldigten China, sein Handelsabkommen nicht einzuhalten, und China ist der Ansicht, dass die Bedingungen ungerechtfertigterweise zu Gunsten der USA gekippt sind. Da die USA die Verhandlungen an den Schutz geistigen Eigentums knüpfen, ist der politische Spielraum der Diskussionen sehr weit gefasst und von den operativen Verhandlungsführern nicht leicht zu lösen.

Während viele das G20-Treffen Ende Juni im japanischen Osaka als perfekten Zeitpunkt für die Unterzeichnung des Handelsabkommens erachteten, kommen angesichts der Belastung der Beziehungen in den letzten Wochen Zweifel auf. Trotz der Stärke der Fundamentaldaten der meisten zyklischen Rohstoffe wird sich die Rückkehr der globalen wirtschaftlichen Risiken, die ein Handelskrieg mit sich bringt, voraussichtlich negativ auf die zyklische Entwicklung der Rohstoffmärkte auswirken.

Donald Trump
Trumps aggressive Außen- und Wirtschaftspolitik werde, sagen seine Kritiker, letztlich auch den USA selbst schaden.

Aufwärtstrend von Gold belastet

Theoretisch sollte Gold sich den negativen Trends widersetzen, denen zyklische Rohstoffe mutmaßlich ausgesetzt sein werden. Als defensives, sicheres Anlagegut ist Gold traditionell eine Anlage, der sich die Anleger in Zeiten der Unsicherheit widmen. Die derzeitige Stärke des US-Dollars hat jedoch den Aufwärtstrend von Gold belastet. Sie dürfte nachlassen, wenn die US-Notenbank gezwungen ist, ihre Geldpolitik zu lockern. Der Terminmarkt für Fed Funds hat die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung von rund 40 Prozent im Vormonat auf 70 Prozent bis Ende dieses Jahres erhöht. Das könnte sich für Gold positiv auswirken.

Öl trotzt dem Preisdruck

Auch Öl trotzt dem Preisdruck nach unten, da der Markt sich der Angebotsengpässe bei Rohöl stärker bewusst ist als andere Rohstoffmärkte. Während viele Industriemetalle ebenfalls ein Angebotsdefizit aufweisen, scheint sich der Markt auf den Nachfrageeinbruch zu konzentrieren, den Handelskriege im Metallsektor auslösen könnten. Die Ölmärkte sind nach wie vor angespannt, was auf die Politik der OPEC in Form von Sanktionen gegen Venezuela und den Iran zurückzuführen ist. Deren Ziel ist es, ein Angebotsdefizit aufrechtzuerhalten, um die globalen Öllagerbestände zu reduzieren.

Die geopolitische Prämie für Öl dürfte auch nach Angriffen auf Schiffe in der Nähe der Straße von Hormuz, die für die Ölversorgung bedeutendste Meerenge der Welt, weiterhin erhöht bleiben. Angesichts eines in die Enge getriebenen Irans ist das Risiko weiterer Angriffe durch das Land oder seine Bevollmächtigten hoch und könnte zu einem Preisanstieg führen, wenn sich diese Risiken herausbilden.

Versorgungsängste

Die Spannungen zwischen den USA und dem Iran schüren weitere Versorgungsängste im schon angespannten Ölmarkt. Die OPEC und ihre Partner dachten vor ihrer Konferenz im Juni über ihre Optionen nach, da Saudi-Arabien mit dem derzeitigen Produktionsniveau zufrieden zu sein scheint, während Russland geneigt scheint, das Angebot zu erhöhen. Der starke US-Dollar belastet die Edelmetalle. Gold konnte nicht von den verschärften geopolitischen Spannungen im vergangenen Monat profitieren, aber der Aufbau von spekulativen Nettopositionen sollte seine Erholung vorantreiben. Die getrübten Wachstumsaussichten in der Automobilindustrie unterstreichen die Schwäche der Performance der Platingruppenmetalle. Die bevorstehenden Tarifverhandlungen zwischen südafrikanischen Platinproduzenten könnten jedoch das Risiko eines Streiks erhöhen. Die Preise für Industriemetalle litten unter der Eskalation des US-chinesischen Handelskriegs. Die neuen, nach unten vorgenommenen Korrekturen in den Wachstumsprognosen der OECD haben die Stimmung gegenüber Industriemetallen zudem belastet. Sollten die Handelskonflikte anhalten, wird die Volatilität hier trotz starker Fundamentaldaten bei den meisten Metallen andauern.

Schiff auf hoher See
Drohen dem Ölhandel stürmische Zeiten? Die aktuellen Konflikte im Persischen Golf erregen Besorgnis. // Fotos: (Gage Skidmore/Wikimedia Commons; Shotshop.com©karelstudio)
 
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