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[Die Industrie der Steine + Erden]


Unfälle und Berufskrankheiten 1997


Dipl.-Ing. J. Koch



1 Vorbemerkungen

Die jährlich erstellte Statistik der Unfälle und Berufskrankheiten in Mitgliedsunternehmen wird auf der Basis der von der Steinbruchs-Berufsgenossenschaft und dem Hauptverband der gewerblichen Berufsgenossenschaften e.V. (HVBG) erfaßten Zahlen zusammengestellt. Mit Hilfe dieser Statistik können einerseits Schwerpunkte des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens im Berichtsjahr aufgezeigt und andererseits durch einen Vergleich mit den Vorjahren Entwicklungstendenzen verdeutlicht werden.Entsprechend den Bestimmungen des Einigungsvertrages hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft ihre Zuständigkeit seit dem 1. 1.1991 auf die neuen Bundesländer ausgedehnt. Es bietet sich daher an, diesen Zeitraum in die Betrachtung des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens einzubeziehen.


2 Umfang der Versicherung

Über die Entwicklung der Mitgliederzahlen in den letzten sieben Jahren sowie die Zahlen der Versicherten, Vollarbeiter und geleisteten Arbeitsstunden gibt Abb. 1 Aufschluß.


Übersicht zum Umfang der Versicherung
Übersicht zum Umfang der Versicherung

Die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft weist für 1997 insgesamt 6.440 Mitgliedsunternehmen aus. Diese Zahl ist um 0,12 % geringer als im Vorjahr. Die Anzahl der Versicherten ist die Zahl versicherter Personen, die tatsächlich dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung unterliegen. Der Versicherungsbestand setzt sich zusammen aus Arbeitnehmern, die im Rahmen eines Arbeits-, Dienst- oder Ausbildungsverhältnisses der allgemeinen Versicherungspflicht unterliegen, und Personen, die freiwillig versichert sind; insgesamt sind dies 203.161. Nach einem letztmaligen Anstieg im Jahre 1994, ist auch 1997 ein Rückgang der Versichertenzahlen zu verzeichnen (-5,02%). Der Begriff "Vollarbeiter" ist eine statistische Größe mit variablem Richtwert und entspricht der durchschnittlichen, von einer vollbeschäftigten Person in der gewerblichen Wirtschaft geleisteten – nicht der tariflichen – Stundenzahl. Für das Jahr 1997 wurde von allen gewerblichen Berufsgenossenschaften ein einheitlicher Vollarbeiterrichtwert von 1.530 Arbeitsstunden festgesetzt; somit unterliegt dieser Wert einer Veränderung gegenüber dem Vorjahr (1.520 Std./Jahr). Im Berichtsjahr ergibt sich eine Vollarbeiterzahl von 184.549; dies entspricht einem Rückgang um 7,06 %. Die Arbeitsunfälle werden zur Arbeitszeit in Beziehung gesetzt, da die Unfallwahrscheinlichkeit zur Arbeitszeit direkt proportional ist. Die Häufigkeit der Arbeitsunfälle je 1 Mio. geleisteter Arbeitsstunden ist eine solche Größe. Der Nachteil, der sich durch die veränderten Richtwerte bei den Vollarbeitern ergibt, liegt bei den geleisteten Arbeitsstunden nicht vor, so daß auch frühere Jahre in einen Vergleich einbezogen werden können. Im Berichtsjahr wurden 282.359.608 Arbeitsstunden geleistet. Hier zeigt sich, wie im Vorjahr, eine Verminderung der Zahlen, diesmal um 6,45 %.


3 Arbeits- und Wegeunfälle

Die Zahl der meldepflichtigen Arbeits- und Wegeunfälle ergibt sich durch die Unfallanzeigen nach § 193 SGB VII. Jeder Unternehmer ist demnach verpflichtet, binnen 3 Tagen jeden Unfall anzuzeigen, der in seinem Unternehmen eingetreten ist und bei dem ein Beschäftigter getötet oder so verletzt wurde, daß er stirbt oder für mehr als 3 Kalendertage – ohne den Unfalltag – arbeitsunfähig wird. Wird diese Voraussetzung erfüllt, so sind auch Anzeigen von Verletzungen, Durchgangsarztberichte sowie durch Krankenkassen angezeigte Fälle zu zählen. Dies gilt für Arbeitsunfälle ebenso wie für Wegeunfälle. Hat ein Arbeits- oder Wegeunfall so schwere Folgen, daß es zu einer Entschädigung in Form einer Rente oder Abfindung kommt, oder verläuft er sogar tödlich, so wird er zusätzlich als neue Arbeits- oder Wegeunfallrente (vor 1994 als erstmals entschädigter Unfall bezeichnet) ausgewiesen. Eine Entschädigungspflicht tritt ein, wenn der Unfall allein oder zusammen mit einem früheren Arbeitsunfall zu einer Minderung der Erwerbsfähigkeit von mindestens 20 % führt. Mit der Einführung des SGB VII werden Renten nur noch dann gezahlt, wenn – nach dem Ende der notwendigen Rehabilitationsmaßnahmen – eine weitergehende Minderung der Erwerbsfähigkeit von mehr als 20 % für mindestens ein halbes Jahr besteht. Durch diese Neuregelung entfallen einige "Minirenten". Als neue statistische Berichtsgröße im Rahmen der Geschäfts- und Rechnungsergebnisse wurden mit dem Jahre 1994 die tödlichen Arbeits- und Wegeunfälle eingeführt. Hierbei sind alle registrierten Fälle mit Tod im Berichtsjahr zu zählen, bei denen der Tod innerhalb von 30 Tagen nach dem Unfall eingetreten ist. Eine Übersicht der anzeigepflichtigen und nicht anzeigepflichtigen sowie der tödlichen Unfälle und der neuen Arbeitsunfallrenten der letzten Jahre vermittelt Abbildung 2. Demnach ergibt sich mit Ausnahme der nicht anzeigepflichtigen Fälle in allen Bereichen Reduzierungen. Das herausragendste Ergebnis zeigt sich bei den neuen Arbeitsunfallrenten; eine Minderung der Zahlen von 1996 nach 1997 um ca. 25 %. Mit der Zahl 391 hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft einen historischen Tiefstand der neuen Arbeitsunfallrenten erreicht, der selbst die Zahlen vor der Vereinigung Deutschlands unterschreitet. Zur Ermittlung des durchschnittlichen Unfallrisikos der Versicherten müssen die absoluten Unfallzahlen zu geeigneten Bezugsgrößen ins Verhältnis gesetzt und somit Unfallhäufigkeiten gebildet werden. Die Häufigkeit der Arbeitsunfälle je 1000 Vollarbeiter ist eine solche im berufsgenossenschaftlichen Bereich verwendete Größe.


3.1 Arbeitsunfälle


3.1.1 Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle

Im Jahr 1997 betrug die absolute Zahl der anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle 14.318 und der nicht anzeigepflichtigen 9.910 (Abb. 2).


Arbeits- und Wegeunfälle (absolut) 1991 - 1997
Arbeits- und Wegeunfälle (absolut) 1991 - 1997



Arbeits- und Wegeunfälle je 1.000 Vollarbeiter 1991 - 1997
Arbeits- und Wegeunfälle je 1.000 Vollarbeiter 1991 - 1997

Somit ergibt sich für die anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle eine Verminderung um 4,03 %, während sich bei den nicht anzeigepflichtigen Fällen eine Erhöhung um 0,95 % einstellte.

Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle pro 1.000 Vollarbeiter in den Jahren 1991 - 1997
Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle pro 1.000 Vollarbeiter in den Jahren 1991 - 1997

Die anzeigepflichtigen Arbeitsunfälle bezogen auf 1000 Vollarbeiter (Abb. 4) haben sich – entgegen der Entwicklung bei den absoluten Zahlen – von 1996 mit 75,14 auf 77,58 im Jahre 1997 erhöht (3,25 %). Dies ist darauf zurückzuführen, daß die Vollarbeiterzahlen sich stärker (7,06 %) vermindert haben als die Anzeigen.


3.1.2 Tödliche Arbeitsunfälle

Im Rahmen der Geschäfts- und Rechnungsergebnisse werden – erstmals im Berichtsjahr 1994 – die bisher als "erstmals entschädigte tödliche Unfälle" bezeichneten Fälle nicht mehr ausgewiesen. Die statt dessen eingeführte Position enthält die tödlichen Arbeits- bzw. Wegeunfälle. Dabei sind sämtliche registrierten Todesfälle mit Tod im Berichtsjahr, bei denen der Tod innerhalb von 30 Tagen nach dem Unfall eingetreten ist, zu zählen. Bei dieser 30-Tage-Frist wird – analog zur 3-Tage-Frist bei den meldepflichtigen Unfällen – der Unfalltag nicht mitgezählt, d. h. ein Arbeitsunfall, den ein Versicherter z. B. am 1. Juli erlitten hatte und an dessen Folgen er am 31. Juli gestorben ist, gilt noch als Todesfall. Für 1997 ergibt sich eine deutliche Reduzierung der tödlichen Arbeitsunfälle auf die Zahl 24 (im Vorjahr 31) (Abb. 2).Am häufigsten traten 1997 tödliche Unfälle auf– im Zusammenhang mit Fahrzeugen, d. h. Baggern, Ladern und Lkw – im Bereich Transportbeton und Beton- und Dachsteinfertigung sowie – im Zusammenhang mit Bauarbeiten.


3.1.3 Neue Arbeitsunfallrenten

Mit dem Jahr 1994 wurde der Begriff "neue Arbeitsunfallrenten" eingeführt und damit die bisherigen "erstmals entschädigten Arbeitsunfälle" ersetzt. Inhaltlich ist damit jedoch keine Veränderung verbunden. Im Vergleich zu 1996 ist die absolute Zahl der neuen Arbeitsunfallrenten um ca. 25 % auf die Zahl 391 gesunken. Dies stellt das herausragenste Ereignis des Unfall- und Berufskrankheitengeschehens für das Berichtsjahr dar (vgl. Abb. 2). Auch bei den neuen Arbeitsunfallrenten bezogen auf 1000 Vollarbeiter hat sich eine ca. 20 %-Reduzierung ergeben; der Zahlenwert beträgt jetzt 2,12 (vgl. Abb. 5).


Neue Arbeitsunfallrenten pro 1.000 Vollarbeiter in den Jahren 1991 - 1997
Neue Arbeitsunfallrenten pro 1.000 Vollarbietr in den Jahren 1991 - 1997

Als Schwerpunkte des Unfallgeschehens bezogen auf den "Arbeitsbereich" haben sich eindeutig Beton- und Fertigteilwerke herausgestellt die immerhin die Rentenzahl von 76 (von 391) erreichten. Bezüglich des unfallauslösenden Gegenstandes treten am häufigsten Unfallereignisse auf Verkehrswegen ein, d. h. Leitern, Gehwegen und Treppen sowie an Fahrzeugen; 43 Fälle von insgesamt 391 sind diesem Bereich zuzuordnen. Ein herausragender Unfallschwerpunkt ist erkennbar, wenn nach der "Tätigkeit des Verletzten" aufgeschlüsselt wird. 157 Fälle treten im Bereich "Gehen, Laufen, Steigen" auf. Die Angaben beziehen sich sowohl auf Verkehrswege als auch auf Fahrzeuge und Anlagen im weitesten Sinne. Aufgrund dieses Schwerpunktes hat die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft eine Aktion geplant die in Kürze umgesetzt werden wird. Auch der Leitartikel des Jahresberichtes des Geschäftsbereiches Prävention befaßt sich mit diesem Thema.


3.2 Wegeunfälle

Die Wegeunfälle unterscheiden sich insofern deutlich von den Arbeitsunfällen im Betrieb als sie sich auf dem Weg von der Wohnung zum Arbeitsplatz, also außerhalb des Betriebes, ereignen. Sie entziehen sich somit weitgehend den Arbeitssicherheitsmaßnahmen der Berufsgenossenschaften.


3.2.1 Angezeigte Wegeunfälle

1997 wurden 1027 anzeigepflichtige Wegeunfälle gemeldet (Abb. 2). Dies entspricht einer Reduzierung um ca. 1 %. Die meldepflichtigen Wegeunfälle pro 1000 Vollarbeiter sind im Berichtsjahr gegenüber dem Vorjahr um ca. 7 % gestiegen; dieses Ergebnis ergibt sich durch die stärkere Reduzierung der Vollarbeiterzahlen gegenüber der Zahl der Anzeigen um ca. 7 % (Abb. 6).


Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle pro 1.000 Vollarbeiter in den Jahren 1991 - 1997
Anzeigepflichtige Arbeitsunfälle pro 1.000 Vollarbeiter in den Jahren 1991 - 1997


3.2.2 Tödliche Wegeunfälle

Die Zahl der tödlichen Wegeunfälle ist von acht im Vorjahr auf sieben Fälle im Berichtsjahr zurückgegangen.


3.2.3 Neue Wegeunfallrenten

Im Berichtsjahr wurden 58 Wegeunfallrenten ausgewiesen. Dies sind ca. 16 % weniger als im Vorjahr (Abb. 7).



Neue Wegeunfallrenten pro 1.000 Vollarbeiter in den Jahren 1991 - 1997
Neue Wegeunfallrenten pro 1.000 Vollarbeiter in den Jahren 1991 - 1997

4 Berufskrankheiten

Die Berufskrankheitenliste in der alle anerkannten Berufskrankheiten aufgeführt sind, ist von der Bundesregierung mit Zustimmung des Bundesrates erlassen worden. In dieser Liste werden nur solche gefährdenden Einwirkungen aufgenommen, denen bestimmte Personengruppen durch ihre Arbeit im erheblich höherem Maße ausgesetzt sind als die übrige Bevölkerung. Eine Erkrankung ist als Berufskrankheit anzuerkennen, wenn die versicherte Tätigkeit die Ursache für die schädigende Einwirkung und die Einwirkung wiederum ursächlich für die Erkrankung ist. In die Berichtsstatistik zusätzlich eingegangen sind seit 1994 Berufskrankheiten, bei denen sich der BK-Verdacht bestätigt hat, d. h. die berufliche Verursachung festgestellt wurde (anerkannte Berufskrankheit), die besonderen versicherungsrechtlichen Voraussetzungen allerdings nicht erfüllt waren.


4.1 Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit/neue Berufskrankheitenrenten

Im Jahre 1997 ist die Zahl der Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit um 133 gesunken (Abb. 8).


Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit 1991 - 1997
Anzeigen auf Verdacht einer Berufskrankheit 1991 - 1997

Diese Reduzierung ist insbesondere auf die Verminderung der Berufskrankheiten BK 2108/2110 (-40/-23) und BK 2301: Lärmschwerhörigkeit (-36) zurückzuführen. Anerkannt wurden 1997 insgesamt 382 Fälle; dies entspricht einer Anerkennungsquote von ca. 50 %. Die neuen Berufskrankheitenrenten haben sich 1997 gegenüber 1996 um 31 Fälle reduziert, die insbesondere durch eine Verminderung der Zahlen für BK 2301: Lärmschwerhörigkeit um 15 Fälle und BK 4101:Silikose um 17 Fälle entstanden sind (Abb. 9).

Neue Berufskrankheitenrenten 1991 - 1997
Neue Berufskrankheitenrenten 1991 - 1997



5. Zusammenfassung

Die vorliegende Zusammenstellung statistischer Zahlen enthält die wichtigsten Ergebnisse des Arbeits- und Wegeunfall- sowie Berufskrankheitengeschehens für 1997 im Vergleich zu den Vorjahren, beginnend mit 1991, dem Jahr, in dem die Zuständigkeit der Berufsgenossenschaft auf die neuen Bundesländer ausgedehnt wurde. Durch die Einbeziehung der Vorjahre sollen Trends und Entwicklungen deutlich werden. Außerdem sind Schwerpunkte im Arbeits- und Wegeunfallgeschehen sowie bei den Berufskrankheiten besser erkennbar.


Anschrift des Verfassers:

Steinbruchs-Berufsgenossenschaft, Theodor-Heuss-Str. 160, 30853 Langenhagen





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