Arbeitssicherheit

VISION ZERO Weltkongress in Singapur startet globale Initiative

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Die Internationale Vereinigung für soziale Sicherheit (IVSS; engl. abgekürzt: ISSA) hat die VISION ZERO-Präventionsstrategie und die sieben Erfolgsfaktoren der BG RCI als globalen Ansatz übernommen. Mit dem Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit wählte die IVSS eine prominente Plattform, um ihr neues Kernangebot der weltweiten Fachöffentlichkeit vorzustellen. Am 4. September 2017 starteten IVSS-Präsident Dr. Joachim Breuer und IVSS-Generalsekretär Hans-Horst Konkolewsky in Singapur die neue Initiative für eine sichere, gesunde Arbeitswelt.

Mehrere Menschen auf einer Bühne, im Hintergrund ein großes VISION ZERO-Logo
Erfolgsmeldung aus Singapur: Beim Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit starteten Joachim Breuer (2. v. l.) und Hans-Horst Konkolewsky (4. v. l.) die globale VISION ZERO Kampagne. Die von der BG RCI entwickelten Erfolgsfaktoren und Sieben Goldenen Regeln wurden darin aufgenommen. Im Hintergrund prangt bereits das brandneue VISION ZERO Logo.

Mit der Initiative sollen Unternehmen auf der ganzen Welt ermutigt werden, durch Investitionen in eine gesunde und motivierte Belegschaft ihre Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten systematisch zu reduzieren.

Ist eine Welt ohne Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und Schadensfälle bei der Arbeit möglich? „Ja“, sagt die erste globale Präventionskampagne, die am 4. September in Singapur am XXI. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit lanciert wurde. „VISION ZERO steht für die Überzeugung, dass Arbeitsunfälle oder berufsbedingte Krankheiten nicht einfach Pech oder Schicksal sind, sondern spezifische Ursachen haben“, sagte Dr. Joachim Breuer, Präsident der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS). „Letztlich sind alle Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten vermeidbar.“

Dieses Ziel kann dadurch erreicht werden, dass die Prävention systematisch in alle Geschäftsbereiche integriert wird und über die klassischen Sicherheitsvorschriften und -unterweisungen hinausgeht. „Es ist zwar weiterhin wichtig, die Arbeitsrisiken stärker zu reduzieren, aber wir sind davon überzeugt, dass die Unternehmen in der komplexen und anspruchsvollen Arbeitswelt von heute sich noch stärker auf Gesundheitsrisiken konzentrieren müssen, und dazu gehören auch diejenigen, die das Wohlbefinden der Menschen beeinträchtigen“, fügte IVSS-Generalsekretär Hans-Horst Konkolewsky hinzu. „Ein Arbeitsplatz ohne Unfälle, Krankheiten und Schadensfälle ist nur möglich, wenn wir uns sowohl um die Sicherheit als auch um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen kümmern.“

Hans-Horst Konkolewsky
„Jeder Unfall hat spezifische Ursachen und ist letztlich vermeidbar”, sagte Dr. Joachim Breuer (unten) in seiner Keynote in Singapur. Hans-Horst Konkolewsky ergänzte, dass „wir uns sowohl um die Sicherheit als auch um die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen kümmern“ müssen.
Dr. Joachim Breuer

Sieben goldene Regeln

Die Kampagne fördert einen systematischeren und integrierteren Präventionsansatz und stellt den VISION ZERO Unternehmen und -Partnern Sieben Goldene Regeln mit praktischen Checklisten sowie Ausbildungsmaterial zur Verfügung, die auf der Website der Kampagne heruntergeladen werden können.

Die sieben goldenen Regeln wurden von der IVSS gemeinsam mit Präventionsexperten aus Unternehmen, Behörden und Sozialpartnern entwickelt und erfolgreich getestet. Zusammen mit dem anderen Kampagnenmaterial bilden sie einen praktischen Werkzeugkasten für alle Unternehmen, die eine starke Präventionskultur aufbauen möchten.

Gewinner auf einer Bühne, einige halten Bluimensträuße
Die Gewinner des internationalen Media Festivals des Weltkongresses, das die weltweit besten Trailer und Multimedia-Produkte ausgezeichnet hat.

Prävention lohnt sich

Die Umsetzung der Sieben goldenen Regeln bedeutet für die Unternehmen natürlich eine Investition, aber eine, die sich lohnt. Internationale Untersuchungen der IVSS haben gezeigt, dass jeder in die Sicherheit und Gesundheit investierte Dollar einen Nutzen von mehr als zwei Dollar erbringen kann. „Es wird kaum mehr daran gezweifelt, dass sich Prävention auszahlt und dass eine motivierte Belegschaft für den geschäftlichen Erfolg entscheidend ist. Darum haben viele große Unternehmen ein starkes Interesse gezeigt, an der Kampagne VISION ZERO teilzunehmen“, erklärte IVSS-Generalsekretär Hans-Horst Konkolewsky.

Ein Mann in einer Warnweste sitzt im Rollstuhl auf einer Bühne.
Safety & Health im Breitwandformat: Der höchst professionell aufgezogene, multimedial durchdrungene Weltkongress erzeugte ausnahmslos positive Resonanz.

Unternehmen und Institutionen auf der ganzen Welt werden aktiv

Der Erfolg der VISION ZERO Kampagne hängt von der aktiven Beteiligung der internationalen und nationalen Partnerorganisationen ab, die ihrerseits versuchen, weltweit möglichst viele Unternehmen zu erreichen. Erfreulicherweise haben bereits wichtige Partner wie die WHO, die Arbeitsschutzbehörde der Vereinigten Staaten (OSHA), das Arbeitsministerium in Singapur und das Amt für internationale Arbeitsangelegenheiten des Arbeitsministeriums der Vereinigten Staaten (ILAB) sowie prominente Unternehmen wie Siemens, Rolls Royce, Keppel Offshore & Marine und Boehringer Ingelheim ihre Unterstützung zugesagt.

Lars Hoffmann, Leiter für Arbeits- und Gesundheitsschutz bei Siemens, fügte hinzu: „Alle müssen sich zu jeder Zeit in einem sicheren Arbeitsumfeld bewegen können, um damit auch gesund und sicher zu ihren Familien und Freunden zurückkehren zu können. Für Menschen und die Umwelt Sorge zu tragen ist eine Verpflichtung, die über Profitdenken hinausgeht. Siemens nimmt diese gesellschaftliche Verantwortung für den Arbeits- und Gesundheitsschutz sehr ernst. VISION ZERO beginnt mit denjenigen, die Verantwortung tragen, aber VISION ZERO kann nur dann zu einer Kulturwende führen, wenn alle dazu beitragen.“

Guy Ryder am Mikrofon
ILO-Direktor General Guy Ryder erläuterte die neuesten globalen Zahlen bei arbeitsbedingten Unfällen und Krankheiten – und zeigte damit eindrücklich, dass noch viel zu tun ist.

Hans-Horst Konkolewsky geht davon aus, dass unmittelbar nach der Lancierung viele Unternehmen, Regierungen, Arbeitsschutzbehörden und Arbeitsschutznetzwerke beitreten werden: „Es ist Zeit zu handeln, und nur gemeinsam können wir Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden von Millionen Menschen verbessern und VISION ZERO Wirklichkeit werden lassen.“

Bekannte Persönlichkeiten haben ihre Unterstützung als Botschafter für VISION ZERO angeboten. Michael López-Alegría, ehemaliger NASA-Astronaut und Kommandant der internationalen Raumstation ISS, war einer der ersten: „VISION ZERO ist eine sehr wirksame Strategie für Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden, im Weltraum wie auf der Erde. Risikobeurteilung, Vorbereitung und Ausbildung sind entscheidend, wenn man sicher zur Erde zurückkehren will. Am Wichtigsten war jedoch meine entschiedene Führung und die strikte Befolgung des Konzepts ‚Sicherheit zuerst‘. Darum war jede einzelne Entscheidung, die ich im Orbit und auf dem Erdboden gefällt habe, von Sicherheitsfragen geleitet.“

Zwei Männer auf einer Bühne im Gespäch.
Die Session „Mining” am 5. September wurde verantwortet und moderiert von Helmut Ehnes, Leiter Prävention bei der BG RCI und Generalsekretär von ISSA Mining. Es ergab sich zwischen und nach den Symposiumsbeiträgen viel Gelegenheit für den internationalen Erfahrungsaustausch bezüglich VISION ZERO und ihrer Umsetzung. Die Session endete mit der Vorführung des neuen VISION ZERO Trailers, über dessen Making-of der ISSA Mining Newsletter #10 berichtete.

Zwei von vielen: Spezielle Sessions beleuchteten VISION ZERO aus vielfältigsten Perspektiven

Session „Management des Arbeitsschutzes in der Bergbau-Branche“

Diese Mining-Session – verantwortet und moderiert von Helmut Ehnes (BG RCI) – bot am 5. September einer ganzen Reihe von internationalen Referenten Gelegenheit, ihre Erfahrungen bei der Umsetzung der Sieben Goldenen Regeln im Bergbau vorzustellen.

Nicht weniger als 34 hervorragende Beiträge wurden aus der ganzen Welt eingereicht. Viele davon fanden in dieser zweistündigen Session ihr Publikum, das von ISSA-Mining-Präsident Ulrich Meesmann (im Bild oben am Pult) begrüßt und ins Session-Thema „Management des Arbeitsschutzes im Bergbau“ eingeführt wurde.

Technische Session zu organisatorischen und staatlichen Aspekten

Bei der „Technical Session T1“ am 4. September 2017 kamen Unternehmen, Agenturen, Forscher, Versicherer und Regulierer zu Wort. In seiner Einleitung ging Moderator Walter Eichendorf auf die Geschichte der Weltkongresse und die Rolle der Internationalen Arbeitsorganisation ein, sprach über den „VISION ZERO Fund“ und die Maßnahmen, mit der die ISSA VISION ZERO Unternehmen weltweit anspricht und „ins Boot“ holt. Ihm folgte der frühere Kommandant der Internationalen Raumstation (ISS), Michael López-Alegría, ans Pult, einer der prominenten VISION ZERO Botschafter, der Parallelen von VISION ZERO zu seiner früheren Arbeit an Bord der ISS zog.

Im weiteren Verlauf ging es um die nächsten Schritte der globalen VISION ZERO Kampagne. Shelley Frost, Direktorin für strategische Entwicklung bei IOSH (Großbritannien), und Helmut Ehnes, Präventionsleiter bei der BG RCI, erläuterten ihre Sicht auf VISION ZERO. Beide sind Vorstandsmitglieder von ISSA-Präventionssektionen und treibende Kräfte hinter ISSAs neuem Kommunikationsansatz und Infomaterial, einschließlich Leitfaden und Seminaren. Helmut Ehnes berichtete über die Anfänge von VISION ZERO und ihrer Sieben Goldenen Regeln: Im Wesentlichen sei es immer darum gegangen, mit einem einfachen Ansatz, der auf guter Kommunikation und gesundem Menschenverstand beruht, auch Arbeitgeber und Führungskräfte mit VISION ZERO zu erreichen – und nicht nur Präventionsexperten.

Ulrich Meesmann auf der Bühne

Sind auch Sie dabei?

Wenn Ihr Unternehmen die VISION ZERO unterstützen möchte, können Sie sich auf der neuen Website

http://visionzero.global/

registrieren. Sie erhalten damit einen erweiterten Zugriff auf Ressourcen zum Download.

ISSA/Peter Schrandt (BG RCI)/mho

 
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