Technik

Tunnelbohrung auf der Strecke Stuttgart-Ulm

Suse und ihre Schwestern

Ende Juli war es soweit: Die Tunnelbohrmaschine „SUSE“ (Ø 10.820 mm) hat die Weströhre des Fildertunnels vollständig aufgefahren. Nun wird die ca. 120 Meter lange Multi-Mode-TBM von Herrenknecht in Einzelteile zerlegt und in einer eigens gebauten Kaverne unter Tage gewendet. Ab Herbst 2018 beginnt sie voraussichtlich mit den Vortriebsarbeiten im ausstehenden 3,4 Kilometer langen Abschnitt der Oströhre.

Stuttgart-Ulm schneller erreicht – dafür steht der Name der Herrenknecht-Tunnelbohrmaschine „SUSE“ (Ø 10.820 mm), die Ende Juli ihre dritte Schildfahrt in der baden-württembergischen Landeshauptstadt erfolgreich beendet hat. Damit hat die Mannschaft der ARGE ATCOST 21 die Weströhre des zweiröhrigen, insgesamt rund 9,5 Kilometer langen Fildertunnels, fertiggestellt. Zum finalen Projekt-Durchbruch fehlt „SUSE“ nun noch ein 3,4 Kilometer langer Abschnitt in der Oströhre. Die Vortriebsarbeiten sollen im Herbst 2018 starten. Zuvor wird die etwa 2.000 Tonnen schwere und 120 Meter lange TBM in mehrere Teile zerlegt und in einer eigens gebauten Kaverne im Gebirge gewendet. „Ein solches Wendemanöver unter Tage mit einer TBM dieser Größenordnung ist in diesen Größendimensionen absolut außergewöhnlich“, sagt Dr.-Ing. E.h. Martin Herrenknecht. „Das zeigt, welche technischen Meisterleistungen während der Bauarbeiten am Fildertunnel erbracht werden. Hut ab vor dem Baustellenteam!“

Tunnelbohrmaschine
Ende Juli hatte „SUSE“ die Weströhre des Fildertunnel vollständig aufgefahren.

155 Meter Höhendifferenz

Die Tunnelstrecke befindet sich in heterogenen Gesteinsschichten und überwindet eine Höhendifferenz von insgesamt 155 Metern mit einer Neigung von bis zu 2,5 Prozent. Aufgrund der komplexen Projektanforderungen war zunächst kein maschineller Tunnelvortrieb beim Fildertunnel vorgesehen. Der besonders flexible und umbaubare Maschinentyp Multi-Mode-TBM von Herrenknecht hat den Bauherren Deutsche Bahn jedoch vom maschinellen Vortrieb auf einem Großteil der Tunnelstrecke überzeugt. Im oberen Abschnitt des Fildertunnels arbeitete die umbaubare Multi-Mode-TBM „SUSE“ im EPB-Modus mit Schneckenförderung, im unteren Fildertunnel im offenen Einfachschild-Modus mit Förderbandaustrag. Nur im Bereich der geologischen Übergangszone kam die Maschine nicht zum Einsatz. Dort lösten Mineure das Material mit Bagger und Lockerungssprengungen aus dem Berg.

Der Fildertunnel ist der längste Tunnel der Neubaustrecke zwischen Stuttgart und Ulm, der den neuen Hauptbahnhof mit der Filderebene verbinden wird. Durch das Bahnprojekt sollen sich die Reisezeiten zwischen Stuttgart und Ulm nahezu halbieren. Rund zehn Millionen Fahrgäste pro Jahr werden vom Projekt profitieren. Auch bei anderen Tunnelbauprojekten des Bahnprojekts Stuttgart–Ulm setzen die bauausführenden Firmen auf Herrenknecht-Tunnelbohrmaschinen. So sind die beiden Herrenknecht-Maschinen „WANDA“ und „Sibylle“ (Ø 10.820 mm) beim Albvorlandtunnel im Einsatz. Das EPB-Schild „Käthchen“ (Ø 11.340 mm) hat erst kürzlich die Vortriebsarbeiten für die beiden Röhren des 8,8 Kilometer langen Boßlertunnels beendet.

Tunnelbohrmaschine
Als umbaubare Multi-Mode-TBM meistert „SUSE“ (Ø 10.820 mm) auch schwierigste Bedingungen, wie unterschiedliche Gesteinsschichten und eine Höhendifferenz von insgesamt 155 Metern mit einer Neigung von bis zu 2,5 Prozent.
 
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