Technik

Neues Verfahren ersetzt Kies bei der Betonherstellung

Wüstensand zu Beton

Das Münchner Unternehmen Multicon, das sich mit der Entwicklung ökologischer und ökonomischer Betone beschäftigt, hat ein umweltschonenderes Verfahren entwickelt, mit dem es möglich ist, bisher unbrauchbare feine Gesteinsmehle, Fein- und/oder Wüstensande für die Bauindustrie verwertbar zu machen. Dabei wird zudem eine große Menge CO2 eingespart, ein Beitrag zu nachhaltigerem Bauen.

Ein neues patentiertes Verfahren macht es ab sofort möglich, feine Gesteinsmehle, Fein- und/oder Wüstensande für die Bauindustrie verwertbar zu machen. Dabei werden Fein- und Wüstensande in einer ersten Stufe zu einem „Feinsandmehl“ aufgearbeitet. Anschließend werden diese Feinsandmehle mit mineralischen Bindemitteln in Kombination mit Spezialadditiven zu druckfesten Pellets granuliert. Die Pellets ersetzen dann in der Betonherstellung den Kies. In der Regel werden aus den Feinsandmehlen maßgeschneiderte Pellets in Größen von 0 bis 16mm in optimaler Sieblinie hergestellt. Mit diesen Granulaten lassen sich dann in Anwendung der dualen Hochgeschwindigkeits-Mischtechnologie qualitativ hochwertige Betone herstellen, die bis zu 25 Prozent leichter sind, schneller erhärten und 24 Stunden nach der Herstellung in der Regel höhere Festigkeiten aufweisen als übliche Standardbetone.

Einsparen von CO2

Bei der herkömmlichen Herstellung von Zementen, als wesentlicher Bestandteil von Beton, entstehen bisher gewaltige Mengen des Klimagases Kohlendioxid. Die Multicon-Technologie führt zu einer CO2-Reduktion von bis zu 30 Prozent. „Im Massenbetonbereich, wo in der Regel weltweit zwischen 300 bis 400 kg Zement eingesetzt werden, könnten mit unserer Technologie pro Kubikmeter Beton bis zu 100 kg Kohlendioxidemissionen vermieden werden“, so Leopold Halser, Geschäftsführer bei Multicon. Mit der Multicon-Technologie lassen sich nunmehr die von der Zementindustrie entwickelten Mehrstoffzemente zu hochwertigen und massentauglichen Betonen verarbeiten, sodass eine globale Absenkung der Kohlendioxidemission in großen Dimensionen umgesetzt werden könnte. Gerade im Mittleren Osten, wo nach wie vor ein nahezu ungebremster Bauboom zu verzeichnen ist, besteht ein sehr großes Interesse. So hat Multicon mit einem der größten Zementhersteller dort eine längerfristige Zusammenarbeit vereinbart, sowohl bei der Herstellung von CO2-reduzierten Betonen als auch bei der Aufbereitung von Wüstensanden.

Verzicht auf lange Transportwege

Die Multicon-Technologie ermöglicht die Verarbeitung vorhandener lokaler Sandvorkommen, die bisher nicht zur Betonherstellung genutzt werden konnten. So können aus Fein- und auch aus den Wüstensanden beispielsweise gezielt maßgeschneiderte Kiesaggregate bis 16 mm Größe in perfekter Sieblinie / Zusammensetzung hergestellt werden. Diese Granulate können dann in der matrixoptimierten Suspension zu Betonen mit nachhaltigen Eigenschaften verarbeitet werden. Durch den Einsatz der Sandaufbereitungsanlagen und der Multicon-Mischer lassen sich somit nicht nur die für die Betonherstellung benötigten Rohstoffe Sand und Kies, sondern auch die daraus hergestellten Betone mit hohen Qualitäten herstellen. Umweltschädliche und teure Transporte, die die Zuschlagstoffe an die Baustellen liefern, fallen dadurch weg. „Speziell in den sogenannten MENA-Staaten ist die Nachfrage nach Anlagen zur Aufbereitung von Wüstensand in Verbindung mit der Suspensionstechnologie sehr groß“, so Halser. Die ersten Anlagen sind bereits bestellt und werden demnächst in Dubai und Ägypten aufgebaut.

Nutzung von Ressourcen

Wüstensand war bisher aufgrund seiner Beschaffenheit unbrauchbar für die Bauindustrie. Dieser Sand ist zu fein, geometrisch zu rund und die Oberfläche zu glattgeschliffen. Durch die Lösung von Multicon zur Aufbereitung dieses spezifischen Feinsandes kann diese Ressource zukünftig genutzt werden. Die Verarbeitung ungenutzter Feinsande ist aber auch für Europa interessant. Im norddeutschen Raum, z.B. in Mecklenburg-Vorpommern, aber auch in großen Teilen Osteuropas sind große Mengen an unbrauchbaren Feinsanden vorhanden. Da ist es naheliegend, die vorhandenen Ressourcen der natürlichen Sand- und Kiesvorkommen, insbesondere die nicht nutzbaren Feinsandbestandteile aus Kiesgruben, zu verwenden und nicht, wie bislang, wieder zu entsorgen, da dadurch auch große Umweltschäden verursacht werden. Auch hier in Deutschland und generell in Europa soll das patentierte Verfahren zur Aufbereitung von Feinsanden angewendet werden. Die Untersuchungen zur Nachhaltigkeit der Betone, insbesondere die Frostbeständigkeit in Deutschland und Europa, werden derzeit geprüft.

Pellets
Die Pellets werden aus Feinsandmehl hergestellt.
 
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