Technik

Aktuelle Trends in der Fördertechnik

„Fördersysteme helfen, Ressourcen zu sparen“

Die Beumer Group ist bekannt für ihre Systemlösungen unter anderem für die Bergbau- und die Rohstoffindustrie oder auch den Hafenumschlag. Zum Portfolio gehören kurvengängige Gurtförderer, Mischbettanlagen sowie Schiffsbelader. Wie Anwender davon profitieren können und welche Trends auf sie zukommen, erklärt Global Sales Director Andrea Prevedello im Interview.

Herr Prevedello, auf der bauma 2019 hatten Sie u.a. über Überlandförderer und Pipe Conveyor informiert. Können Sie über ein aktuelles Projekt berichten?

Spontan denk ich da an ein spannendes Projekt in der belgischen Gemeinde Flémalle. Hier wurde früher ein Kohleheizkraftwerk betrieben. Die verbliebenen Rückstände sind auf einer Flugaschehalde deponiert. Um die Flugasche für die weitere Verschiffung zur Maas zu fördern, haben wir einen Pipe Conveyor installiert. Seine geschlossene Bauform verhindert den Kontakt des flüchtigen Materials mort. Das ist wichtig, weil die Anlage auch über öffentliche Straßen, Bahngleise und Wohngebiete führt. Der Abtransport der Flugasche erfolgt unter strikter Einhaltung der Sicherheitsnormen, berücksichtigt die Ruhebedürfnisse der Anwohner und schont die Umwelt. Innerhalb von zehn Jahren soll die Halde komplett abgetragen sein. Anschließend wird auf dem Gelände ein Naturpark entstehen.

Welche Herausforderungen mussten Sie bei diesem Projekt meistern, zum Beispiel bei der Montage der Anlage?

Die Montage war in dieser malerischen, aber eben auch sehr bergigen Umgebung eine ziemliche Herausforderung. Und weil der Pipe Conveyor über Straßen, Schienen und Wohngebiete führt, galt es für uns, öffentliche Regularien einzuhalten. Dazu haben wir drei Teams aufgestellt. Um das Fördersystem sicher zu gestalten, damit es beim Schüttguttransport weder zu Umwelt- noch zu Lärmbelastungen kommen kann, arbeiteten im ersten Team Mitarbeiter der Kommunalbehörden eng mit unseren Fachleuten zusammen. Das zweite Team bestand aus zehn Beumer-Mitarbeitern, die das System montierten. Für die Montagearbeiten kamen Spezialkrane und Hubschrauber zum Einsatz. Damit beauftragten wir das dritte Team: die Heliswiss International AG aus dem schweizerischen Küssnacht mit ihren Schwerlast-Hubschraubern.

Baustelle
Im belgischen Flémalle kamen bei den Montagearbeiten Spezialkrane und Hubschrauber zum Einsatz.

Wie stellen Sie bei diesen Projekten sicher, dass der Kunde die optimale Lösung erhält, mit der er nachhaltig wettbewerbsfähig bleibt?

Eine wesentliche Eigenschaft unserer Transportlösungen ist, dass sie Horizontal- und Vertikalkurven ermöglicht. Damit können wir Strecken an die optimale Route anpassen und müssen nicht mit mehreren geraden Streckenabschnitten um Hindernisse herumbauen. Abhängig von den Eigenschaften des zu fördernden Materials lassen sich Steigungswinkel von bis zu 15 Grad umsetzen, je nach Topographie mit Längen von mehr als zwölf Kilometern. Und gerade wegen dieser Kurvengängigkeit sind wesentlich weniger oder keine Übergabetürme nötig. Das spart viele Kosten und verspricht einen dauerhaft sicheren Betrieb der gesamten Anlage.

Hätte es für diese Aufgabe auch alternative Möglichkeiten gegeben, zum Beispiel den Einsatz von LKWs?

Bergwerksbetreiber, Zement- oder Baustoffhersteller setzen beim Transport von Schüttgut auch über große Entfernungen häufig auf LKWs. Die Fahrzeuge haben sicher auch ihre Berechtigung. Sie stoßen allerdings je nach Beschaffenheit des Geländes schnell an ihre Grenzen: Sie brauchen unter anderem gut ausgebaute Straßen – die Kosten für deren Bau, Instandhaltung und eventuellen Ausbau sind nicht unerheblich. Ebenso wenig darf der ökologische Aspekt vergessen werden: Neue Straßen und Zufahrten stellen einen gravierenden Eingriff in die Natur dar. Dazu kommen die Emissionen, die der LKW-Verkehr verursacht, sowohl im Hinblick auf Schadstoffe als auch auf Lärm und Staub. Wir statten unsere Gurtförderer mit umweltfreundlichen Elektroantrieben und Niedrigenergiegurten aus.

Unsere Anlagen können bis zu 90 Prozent weniger Primärenergie als vergleichbare LKW-Transporte verbrauchen. Anwender reduzieren ihre Betriebskosten oft um einige Millionen Euro im Jahr.

Wegen steigender Lebensstandards vor allem in Schwellenländern und durch den Ausbau von Schlüssel- und Zukunftstechnologien wächst der Bedarf bei den meisten Rohstoffen. Wie wird sich diese Entwicklung auf den Anlagenbau auswirken?

Preise für Rohstoffe wie Eisenerz oder Kupfer steigen aktuell rasant an. Deshalb spüren wir die Investitionsbereitschaft vieler Unternehmen. Um den steigenden Bedarf zu decken, geht ein Trend hin zu immer größeren Tonnagen und Durchsätzen, da größere Produktionsstätten effizienter sind. Viele Anwender möchten nicht mehrere Anlagen parallel aufstellen, sondern ihren kompletten Bedarf mit nur einer Linie oder einer möglichst geringen Zahl an Linien abdecken. Dieser Trend beeinflusst die Entwicklung unserer Anlagen und Systeme erheblich.

Andrea Prevedello
Andrea Prevedello, Global Sales Director bei Beumer: „Anwender unserer Förderbandanlagen reduzieren ihre Betriebskosten oft um einige Millionen Euro im Jahr.“
 
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