Arbeitssicherheit

Eine beispielhafte Zusammenarbeit zum Erhalt der Arbeitsfähigkeit

Der Lift zum Arbeitsplatz

Giesbert W. ist seit 1. Oktober 1992 Mitarbeiter der BHR Recycling GmbH in Würselen. Im April 2010 kam es bei dem Mitarbeiter zu einer Wundheilungsstörung im Bereich des linken Fußes, die im November 2010 nach mehreren Komplikationen zu einer Amputation des linken Unterschenkels führte. Seitdem trägt Giesbert W. eine Unterschenkelprothese.

Der Mitarbeiter wurde bisher im Betrieb für unterschiedliche Tätigkeiten eingesetzt. So gehörte es unter anderem zu seinen Aufgaben, einen Radlader zu fahren, Material zu verladen sowie stehend in einer Sortieranlage zu arbeiten. Für die Firma stellte sich nach der Amputation die Frage, inwieweit der Mitarbeiter seine bisherigen Arbeiten weiter erledigen und wie ihn die BHR GmbH dabei unterstützen könnte.

Lift am Radlader

Geschäftsführer Bernd Nein schaltete deshalb schon frühzeitig den Betriebsarzt Matthias Bradatsch von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie ein, so dass dieser die Hilfsmaßnahmen beratend begleiten konnte (die BHR nimmt an der alternativen Betreuung der BG RCI teil). Nach einer ausführlichen Arbeitsplatzanalyse wurden auf Anraten des Betriebsarztes der Rentenversicherungsträger sowie der Integrationsfachdienst hinzugezogen. In gemeinsamen Besprechungen und Arbeitsversuchen wurde das weitere Vorgehen festgelegt.

Es stellte sich heraus, dass Giesbert W. nicht mehr alle bisherigen Arbeiten würde machen können, wohl aber weiter als Radladerfahrer eingesetzt werden könnte. Allerdings zeigte der Arbeitsversuch, dass insbesondere das Auf- und Absteigen an der Radladerkabine für ihn mit einer großen Anstrengung und der erheblichen Gefahr des Abstürzens verbunden ist.

Hier konnte Alwin Königsmann, die zuständige Aufsichtsperson der BG RCI, weiterhelfen. Die Beteiligten kamen zu dem Schluss, dass nur die Umrüstung des Radladers einer Weiterbeschäftigung dienlich sein würde. Betriebswirt Andreas Recker, Mitarbeiter bei BHR, setzte sich daraufhin mit dem Hersteller des Radladers und einer Spezialfirma für Umbauten in Verbindung.

In dem Recyclingbetrieb fährt Giesbert W. als Radladerfahrer einen Komatsu WA 250 und erledigt mit dieser Erdbaumaschine auf dem Betriebsgelände alle anfallenden Arbeiten, wie das Laden der Lkw und Beischieben von Material.

Doch wie kann er mit einer Unterschenkelprothese sicher und unfallfrei die etwa zwei Meter über dem Boden liegende Radladerkabine erreichen? Ist eine Rampe oder ein Podest geeignet? Wie kommt man auf dem Betriebsgelände aus der Kabine wieder heraus? Kann der vorhandene Aufstieg vielleicht umgebaut werden? Die Fragen führten letztlich zu der Erkenntnis: eine mobile Lösung muss her.

In Zusammenarbeit mit der Firma Fasieco GmbH aus Köln, die den Radlader im Fullservice betreut, kam die zündende Idee. Schnell wurde klar, dass ein Lift, der am Radlader angebaut wird, die beste Lösung ist. Mittels Internet-Recherche fand man die Firma Költgen GmbH aus Krefeld, die seit 25 Jahren Umbauten an Fahrzeugen für Menschen mit einer Behinderung anbietet.

In Teamarbeit wurde dann ein Linear-Lift ausgewählt und an den Radlader angebaut. Er funktioniert praktisch wie ein Aufzug. Über eine Funkfernsteuerung kann der Mitarbeiter den Lift, der mit einem elektro-hydraulischen Antrieb ausgestattet ist, selbst anheben und senken. Bei Stromausfall im Radlader steht eine Nothandpumpe zur Verfügung, die sowohl ebenerdig als auch in der Fahrerkabine betätigt werden kann.

Zum Abschluss erfolgte nach der Erstellung der CE-Hersteller-Erklärung für den Linear-Lift noch die erforderliche TÜV-Abnahme nach §19 StVZO (Erteilung und Wirksamkeit der Betriebserlaubnis). Danach ging der Radlader in den Einsatz und hat sich bis heute bestens bewährt. Die Umbaukosten wurden von der Rentenversicherung übernommen.

In der Kabine selbst waren keine Veränderungen nötig, da das linke Bein des Mitarbeiters mit der Unterschenkelprothese keine Funktion übernehmen muss.

Zu betonen ist, dass es maßgeblich das Bestreben der Firma war, ihren langjährigen Mitarbeiter zu unterstützen. Der Einsatz von Bernd Nein und Andreas Recker machten es möglich, dass Giesbert W. seinen Arbeitsplatz behalten und weiter seiner gewohnten Tätigkeit im Betrieb nachgehen kann.

Matthias Bradatsch und Alwin Königsmann, BG RCI

Lift am Radlader
Mit dem Lift gelangt Giesbert W. trotz Handicap ohne Probleme an seinen Arbeitsplatz im Radlader. // Fotos: Königsmann, BG RCI
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