Arbeitssicherheit

Gütesiegel für Betonpumpendienste der Schwenk-Gruppe

Lücken im Arbeitsschutz geschlossen

Betonpumpendienste gehören zu den Mitgliedsunternehmen der BG RCI mit dem größten Unfallgeschehen. Mit der Organisation des Arbeitsschutzes nach den Grundsätzen des Gütesiegels „Sicher mit System“ und dessen Implementierung in die betrieblichen Abläufe wollen Betonpumpendienste der Schwenk-Gruppe dieses Image verbessern.

Es war ein langer Weg, den die Unternehmen BFU Betonförderunion, Betonpumpen-Dienst Vogtland und Jumbo Betonpumpen Service beschreiten mussten, um das Gütesiegel „Sicher mit System“ überreicht zu bekommen. „Nicht, dass das Thema Arbeitsschutz neu für uns war“, so die Geschäftsführer der Betonpumpendienste Stefan Klöpfel und Frank Hutschenreuter, „sondern jeder hat den Arbeitsschutz ein wenig anders gestaltet und manche Lücken wurden bei den Beratungen und der Begutachtung aufgedeckt. Da die Schwenk-Gruppe sich das Ziel gestellt hat, für alle Tochterunternehmen, so auch die Betonpumpendienste, das Gütesiegel „Sicher mit System“ zu erlangen, war es naheliegend, dass wir uns gegenseitig zu bestimmten Sachverhalten der Arbeitsschutzorganisation austauschen“. Die drei Unternehmen betreiben in Mitteldeutschland etwa 80 Autobetonpumpen. Sie sind Dienstleister für Transportbetonunternehmen zur Förderung des Frischbetons vom Fahrmischer in die Betonschalung.

Sicherer Ablauf des Pumpenbetriebs im Blickpunkt

Neben der Überprüfung der grundsätzlichen Aufbauorganisation im Arbeitsschutz (z. B. Organigramme, Regelung zu Verantwortlichkeiten, Einbeziehung von Arbeitsschutzexperten) und der darin stattfindenden Abläufe (Gestaltung der Gefährdungsbeurteilung, Schulung und Unterweisung, Organisation und Durchführung von Prüfungen an Arbeitsmitteln, Baustellenbegehungen) standen Regelungen für einen arbeitssicherheitsgerechten Ablauf des Pumpbetriebes und deren Umsetzung auf den Baustellen im besonderen Fokus der Begutachtung.

Für den sicherheitsgerechten Ablauf des Pumpbetriebes tragen Baustelle, Disposition und der Betonpumpenmaschinist gleichermaßen Verantwortung. Der Betonpumpenmaschinist geht nicht nur mit einem Arbeitsmittel um, welches je nach Größe und Ausstattung einen Wert von bis zu 950.000 Euro besitzt. Er trägt auch Verantwortung für das Baustellenpersonal, welches den geförderten Frischbeton im Wirkungsbereich der Autobetonpumpe einbaut. Der Betonpumpenmaschinist entscheidet beim Eintreffen auf der Baustelle letztendlich darüber, ob er die Autobetonpumpe aufstellen kann oder nicht.

Gruppenbild, Menschen vor einer Autobetonpumpe halten Urkunden

Lösungen erarbeitet

Auf Großbaustellen oder bei bekannten Problemen prüfen Baustellenbetreuer der Betonpumpendienste die Baustellenbedingungen vor dem Betonpumpeneinsatz. Dieses Verfahren kann aber nicht für alle Pumpbaustellen sichergestellt werden. Besonders bei Klein- und Eigenheimbaustellen ist der Betonpumpenmaschinist beim Eintreffen auf der Baustelle seitens des Betonpumpendienstes die erste Person, die Kenntnis über die realen Baustellenverhältnisse erlangt. Er muss z. B. unter Berücksichtigung der Bodenverhältnisse am Aufstellort oder bei Vorhandensein einer elektrischen Freileitung entscheiden, ob er die Autobetonpumpe aufbauen kann oder nicht. Verbieten die Baustellenverhältnisse den Aufbau der Autobetonpumpe und befindet sich dann bereits das erste Mischfahrzeug auf dem Weg zur bzw. ist bereits auf der Baustelle, ist der Betonpumpenmaschinist oft einer Stresssituation ausgesetzt. Er wird von der Baustelle und dem liefernden Betonmischwerk bedrängt, doch noch eine Möglichkeit für den Betonpumpeneinsatz zu finden. Kann die Autobetonpumpe nicht aufgebaut werden, muss im schlimmsten Fall der angelieferte Frischbeton verworfen werden.

Um diesen nicht selten auftretenden Situationen entgegenzuwirken, hat sich auf Empfehlung der BG RCI Stefan Klöpfel mit dem Geschäftsführer von Schwenk Beton Anhalt, Udo Wichmann, zusammengesetzt und Lösungen erarbeitet.

Viele Probleme haben ihre Ursache in der unzureichenden Kommunikation. Daher lag es zur Verbesserung dieser Situation nahe, den Informationsweg, beginnend von der Betonbestellung bis zum Betoneinbau, zu betrachten. Die überwiegende Anzahl der Baustellen richtet ihre Betonbestellungen direkt an Transportbetonmischwerke. Das Bestellung annehmende Mischpersonal nimmt alle Daten, z. B. Betonsorte, Liefermenge, -ort und -zeitpunkt entgegen. Wird von der Baustelle der Einsatz einer Autobetonpumpe gewünscht, so umfasste die bisherige Kommunikationspraxis nur das Erfassen und Weiterleiten von Informationen zu Ort, Zeitpunkt und Betonpumpengröße an den Betonpumpendienst. Alles Weitere blieb Sache des Betonpumpendienstes.

Verbessertes Formular

Die BFU Betonförderunion und Schwenk Beton Anhalt entwickelten gemeinsam ein Formular „Pumpenbestellung“. Darauf dokumentiert das Mischpersonal, welches die Betonbestellung von der Baustelle entgegennimmt, neben den bisher üblichen Daten zusätzlich zu erfragende baustellenspezifische Besonderheiten, wie z. B. das Vorhandensein elektrischer Freileitungen, Schächte, Hohlräume, Böschungen im Bereich des vorgesehenen Aufstellortes, vorliegende Genehmigungen bei notwendiger Aufstellung im öffentlichen Straßenverkehr sowie das Vorhandensein von Absturzsicherungsmaßnahmen bei Betonierstellen im Hochbau. Werden hierbei Probleme aufgedeckt, kann die Baustelle diese noch abstellen bzw. können sie an den Betonpumpendienst weitergeleitet werden, damit sich der Baustellenbetreuer um diese Baustelle kümmert.

Mit dieser Verfahrensweise wurden erste positive Erfahrungen gesammelt. Sie bewirkt nicht nur eine Verbesserung der Arbeitssicherheit beim Einsatz der Autobetonpumpe, sondern auch eine Reduzierung des Entscheidungsdruckes des Betonpumpenmaschinisten auf Baustellen im Sinne der Verringerung der psychischen Belastungen. Letztendlich führt diese Verfahrensweise aus Sicht der Transportbetonhersteller auch zu einem reibungsloseren Betonverkauf, beginnend von der Betonmischanlage bis in die Betonschalung.

Dr. Bernd Schneider, BG RCI

Formular 'Betonpumpenbestellung'