Was darf Prävention kosten?

Ulrich Meesmann

Präventionskosten sind gute Kosten! So lautet ein früher oft gehörter Satz, über den man nicht groß diskutiert hat. Schließlich belegt eine Studie zum Return on Prevention (RoP), dass jedes Investment in den Arbeits- und Gesundheitsschutz einen wirtschaftlich messbaren Nutzen von 1,6 (Deutschland) bzw. 2,3 (International) erzeugt, d.h. jeder in die Prävention investierte Euro hat einen Rückfluss von mindestens 1,60 Euro. Einleuchtend ist auch, dass jeder verhinderte Unfall, jede nicht eingetretene Berufskrankheit in der Summe Millionen Euro im Budget der Berufsgenossenschaft einsparen hilft.

So weit, so gut. Wir kennen in der BG RCI zehn Präventionsdienstleistungen, angefangen von der Beratung über Forschung bis hin zur Qualifizierung. In diesem Rahmen verleiht die BG RCI auch einen VISION ZERO Förderpreis und beteiligt sich mit nennenswertem Aufwand an Messen und Ausstellungen. Jedoch: Die Präventionsarbeit der BG wird mehr und mehr hinsichtlich ihrer Kosten und Wirksamkeit hinterfragt; die Präventionserfolge werden nicht immer als selbstverständliche Folge dieser Arbeit anerkannt. Auf der anderen Seite jedoch steht der gesetzliche Auftrag, Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten und arbeitsbedingte Gesundheitsgefahren mit allen geeigneten Mitteln zu verhüten.

Aber wie weisen wir nach, was durch diese Aktivitäten konkret an Reha-Kosten und Entschädigungsleistungen eingespart wird? Sind alle Präventionsmaßnahmen der BG RCI gleichermaßen geeignet, einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zu vermeiden? Diese Fragen werden von der Selbstverwaltung und in unseren Mitgliedsunternehmen, die unter enormem Wettbewerbsdruck stehen, zunehmend gestellt.

Weiterhelfen soll uns hier ein sogenanntes Wirkungscontrolling oder auch Produktportfoliomanagement, in dem die unterschiedlichen Präventionsprodukte systematisch betrachtet und hinsichtlich ihres konkreten Nutzens beleuchtet werden. Ein festes Set an verschiedenen Kriterien wie etwa Erreichbarkeit, Zielgruppenorientierung oder Produktpassung bewertet die Zielerreichung der Präventionsangebote. Im Ergebnis liegt eine differenzierte und mehrdimensionale Bewertung vor, die die Stärken und Schwächen und damit auch Fragen zur Eignung der einzelnen Angebote aufdeckt.

Die Selbstverwaltung erhält auf diese Weise eine belastbare Entscheidungsbasis darüber, welche Produkte in
Zukunft beibehalten, welche reduziert oder gar nicht mehr angeboten werden oder aber welche forciert und
ausgebaut werden sollen.

Das hilft, die Prävention noch zielgenauer zu gestalten. Und das Ziel heißt nach wie vor:

VISION ZERO!

Herzlichst Ihr
Ulrich Meesmann