Unternehmensführung

Veränderungsprozesse im Unternehmen gestalten

Sich der Herausforderung erfolgreich stellen

Digitalisierung und Industrie 4.0 stehen für technologische Entwicklungen, die unser Leben, unsere Gesellschaft, vor allem aber unsere Wirtschaft dramatisch verändern. Mit diesem Transformationsprozess einher geht ein ungeheurer Veränderungsdruck, eine rasante Wettbewerbsdynamik und steigende Komplexität. Die daraus resultierenden erforderlichen Anpassungen von Strategie und Organisation überfordern vielfach Mitarbeiter wie Management gleichermaßen. Was sind nun die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Implementierung? Dazu Reinhard F. Leiter, Executive Coach bei der Selecteam Deutschland.

Um einen Transformationsprozess erfolgreich im Unternehmen zu gestalten, müssen bestimmte Voraussetzungen geschaffen werden. Dazu gehört die altbekannte Erkenntnis, dass der Kunde König ist und im Zentrum aller Unternehmensaktivitäten steht, genauso wie das Denken in Geschäftsprozessen. Hierbei handelt es sich um eine End-to-end-Betrachtung, in der die Komponenten Zeit, Qualität und Kosten gleichermaßen berücksichtigt werden müssen. Aufgrund ihres interdependenten Verhältnisses zueinander müssen zudem alle Prozesse, Mitarbeiter und Technologien gleichermaßen in den Veränderungsprozess integriert werden.

Implementierungsprozess muss von allen mitgetragen werden

Die Optimierung von Strukturen im Unternehmen zieht unweigerlich auch ein anderes Rollenverständnis nach sich, da sich Stellung, Funktion und Aufgaben der Mitarbeiter und Führungskräfte verändern. Jeder Implementierungsprozess ist daher nur dann erfolgreich, wenn er vom Top-Management, von der Führungsspitze aktiv gefördert, unterstützt und vor allem mitgetragen wird. Führung ist kein eindimensionaler Prozess mehr nach dem Top-Down-Prinzip, sondern muss drei weitere führungsrelevante Dimensionen abdecken

Top-down-Ansatz

Der klassische Top-down-Ansatz deckt dabei alle Führungsaufgaben ab, die unter dem Begriff Mitarbeiterführung zusammengefasst werden können. Das Management gibt auf der Basis der Unternehmensvisionen und –ziele die Richtung vor und delegiert die entsprechenden Aufgaben in den Verantwortungsbereich der Mitarbeiter. Erst wenn der Erfolg gefährdet erscheint, greift das Management ein und beseitigt aufgetretene Hindernisse oder Engpässe.

Bottom-up-Ansatz

Der Bottom-up-Ansatz zielt drauf ab, das Mitarbeiterpotenzial von unten nach oben auszuschöpfen und die Mitarbeiter „an vorderster Front“ zu mobilisieren. Dies geschieht, indem das Management die notwendigen Freiräume nicht nur schafft, sondern auch toleriert. Freiräume werden von Mitarbeitern aber nur effektiv genutzt, wenn die Mitarbeiter dazu befähigt und motiviert werden, eigenverantwortlich zu handeln.

Zwei Frauen im Gespräch
Kommunikation verläuft nicht nur auf sachlicher, sondern auch auf emotionaler Ebene. Damit sie gelingt, sollte sie nach bestimmten Grundprinzipien aufgebaut werden. // Foto: (© Tuomas Marttila/Shotshop.com)

Kernabläufe funktionsübergreifend neu gestalten

Beim dritten Ansatz geht es um die Identifizierung und Neugestaltung von Strukturen und Prozessen mit dem Ziel, Kosten zu reduzieren, die Qualität zu steigern und Zeit zu sparen. Konkret besteht Führung in diesem Rahmen darin, organisatorische Hindernisse zu beseitigen, Anreizsysteme zu schaffen und Prozesse zu koordinieren. Besondere Führungsaufmerksamkeit gilt auch der Reduktion von Komplexität. Doch all diese Aspekte des Transformationsprozesses können ohne entsprechende Kommunikation nicht erfolgreich umgesetzt werden. Eine effiziente und exzellente Unternehmenskommunikation ist der Schlüssel für jede erfolgreiche Transformation.

Die vier Säulen erfolgreicher Kommunikation

Kommunikation ist besonders dann erfolgreich, wenn der Zuhörer versteht, was er hört, und wenn er sich auch später dann noch daran erinnert und das Gehörte seine Art zu denken und handeln verändert. Erfolgreiche Kommunikation basiert daher auf vier Säulen.

1. Die Story

Eine klare und prägnante Story muss den Bedürfnissen der Zuhörer dienen. Sie beschreibt das Problem, liefert auch die Lösung und vermeidet abstrakte Begriffe. Nichts bleibt nachhaltiger in Erinnerung und animiert zum Handeln als eine interessante Geschichte.

2. Die Dramaturgie

Unerwartete, überraschende Botschaften wecken das Interesse und die Neugier. Ungewöhnliche Beispiele lösen Mitgefühl aus und machen die Botschaft leichter erinnerbar.

3. Die Person

Glaubwürdigkeit und Vertrauen sind ein weiteres wesentliches Element einer guten Kommunikation. Damit die Zuhörer dem Redner die Botschaft abkaufen, sollte die Kommunikation Struktur aufweisen und die Behauptung durch Belege und Statistiken untermauert sein.

4. Das Medium

Bei einer Rede, einem Vortrag oder einer Präsentation kann die Auswahl des Mediums hilfreich sein, aber es rettet keine schlechte Präsentation. Vielmehr gilt es, den Kern der Botschaft oder Idee herauszustellen, damit sich der Zuhörer auf die Hauptsache konzentrieren kann.

Erfolg – eine Frage der Zugehörigkeit

Die digitale Transformation bringt neben weitreichenden strategischen und organisatorischen Veränderungen auch soziokulturelle Veränderungen mit sich. Funktionierende, stabile unternehmensinterne soziale Systeme tragen einen wesentlichen Teil zum Erfolg des Transformationsprozesses bei. Ihre Stabilität erhalten sie durch eine klare Abgrenzung, wer Teil der Gruppe ist und wer nicht. Nur wer sich auch zum System zugehörig fühlt, kann seine volle Identität entfalten und zeitweise auch Frustrationen ertragen, solange nur seine Zugehörigkeit nicht in Frage gestellt wird.

Klare und transparente Spielregeln

Aber auch für den manchmal unvermeidbaren Ausschluss aus dem sozialen System muss es klare Spielregeln geben. Um nicht das gesamte Unternehmen aufs Spiel zu setzen, ist es unabdingbar, den Prozess fair und transparent zu gestalten, sowie den Ausgleich von Geben und Nehmen zu beachten. Die Beachtung dieser Regeln ist nicht nur für den Ausgeschiedenen bedeutsam, sondern auch für die verbliebenen Mitarbeiter. Denn eine als illoyal, ungerecht oder willkürlich angesehene Kündigung kann zu einer Lähmung des ganzen Unternehmens führen.

Das richtige Gleichgewicht entscheidet

Gerade im Transformationsprozess ist die Beachtung des Gleichgewichtsprinzips ein bedeutender Erfolgsfaktor. Denn es erfordert in menschlichen Systemen einen Ausgleich von Geben und Nehmen auf der individuellen Ebene: Wer etwas leistet, wird dafür angemessen entlohnt. Wer etwas Besonderes leistet, wird besser entlohnt. Wer weniger einbringt als er eigentlich könnte, hat auch weniger Anspruch auf Entlohnung. Bei grundlegenden Veränderungsprozessen müssen nicht nur der Vorstand, sondern alle Mitglieder der Organisation von dieser Notwendigkeit überzeugt werden.

Zwei Männer schütteln sich die Hände
Ein Gefühl der Zugehörigkeit und das Erleben von Wertschätzung fördert Motivation und Leistungsvermögen der Beschäftigten – auch und gerade im digitalen Zeitalter. // Foto: (© depositedhar/Shotshop.com)
 
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